Tiny House

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Idee

Nachdem mein Mann und ich 6 Monate um die Welt gereist waren, fingen wir an uns in unser altes Leben wieder einzugewöhnen. Mit jedem Tag sehnten wir uns mehr nach der erlebten gemeinsamen Freizeit, der neu entdeckten Freiheit und den vielen Abenteuern. Wir waren uns einig, dass wir weiterhin viel mehr Reisen und weniger arbeiten wollten. Jedoch schien das sehr unrealistisch.

Zudem viel uns das ganze überflüssige Zeug auf, dass man zwar meinte zu brauchen, aber auf der Reise gar nicht vermisst hat. Wir beschlossen uns nach einem Wohnmobil umzuschauen, mit dem wir dann in unserem jährlichen Urlaub durch Europa reisen könnten. Da wir nur 1-2-mal im Jahr los könnten entschieden wir uns dann doch eher für einen Wohnwagen. Auf der Suche nach einem günstigen schönen Wohnwagen stieß ich im Internet auf sogenannte TinyHouse´s. Es dauerte ein paar Tage bis mir der Gedanke in den Sinn kam, dass evtl. ein TinyHouse unsere Lösung wäre um unsere unrealistischen Träume zu ermöglichen. Mein Mann war erst etwas skeptisch, jedoch geht er dennoch jeden (Holz-)Weg mit mir zusammen…

 

Planung

Die Planung war schon immer mein Part gewesen. Ich skizzierte auf einem Blatt Papier einige mögliche Grundrisse. Installierte mir 3D Haus-Planer und versuchte alles was man zum Leben braucht auf 18qm – 24qm unterzubekommen. Dann suchte ich im Internet ob man welche in Deutschland fertig kaufen konnte – und Ja das kann man- diese sagten mir aber nicht ganz zu und ich überredetet meinen Mann dazu, so ein mobiles Haus, selber zu bauen. Ich recherchierte welche Bauvorschriften gelten, kalkulierte wie viel das ganze Kosten würde und was man alles brauchen würde. Nach ca. 1 Monat hatte ich alle für mich wichtigen Informationen zusammen.  Ich klebte mit Kreb-Band den möglichen Grundriss in unserem Wohnzimmer auf. Es war ein seltsames Gefühl, dass unser evtl. zukünftiges komplettes Heim wesentlich keiner ist, als unser derzeitiges Wohnzimmer. Ich fand einen Trailer für solche TinyHäuser bei Vlemmix in Holland. Einen Kredit über 20.000€ bekamen wir von der DKB.

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Wer sein TinyHouse auch auf der Straßen bewegen möchte, sollte folgendes beachten:
Die Höhe des Anhängers darf 4,00m nicht überschreiten

Die Breite des Anhängers darf 2,55m nicht überschreiten

Das Gesamtgewicht darf in der Regel 3,5t nicht überschreiten, sofern man das mit einem Führerschein der Klasse 3 oder BE und einem Auto bewegen möchte.

Zudem muss das Fensterglas, für den Straßenverkehr zulässig sein (dies erfuhren wir erst nachdem wir die normalen Fenster eingebaut hatten, alternativ kann man auch Fensterläden einbauen)

 

Bauphase

Als erstes bestellten wir den Trailer und das restliche Material.

(Siebdruckplatten, Konstruktionsholz aus Fichte, DeltaMaxx-Folie, Diffusionsdichte-Folie, Rockwolle, Alu-Fassade von Prefa, Fenster, Türen, Korkboden, Lightwood Tischlerplatten, Elektrik- und Sanitär-Krams und jede Menge Schrauben, Tackernadeln, Flextape, Spachtelmasse, Farbe, Silicon und Acryl sowie die Inneneinrichtungsgegenstände wie Küchenzeile, Dusche, Waschbecken, WC, Schränke/Kommoden, Lampen-Steckdosen und Schalter, etc.).

Das ganze Material incl. Anhänger kostete ca. 20.000-22.000€. Dazu kommt noch unser Solar System, das erstmals mit 2.500€ zu Buche schlug und zukünftig noch für ca. 3.000€ erweitert werden soll.

 

1.Woche                     16.05.16 – 22.05.16

Wir begannen am 16.Mai 2016 mit unserem Bau und ließen als erstes Stützen an unseren Trailer schweißen. Dann verlegten wir die Siebdruckplatten, stellten die KVH Bodenkonstruktion auf. Unser Bauplatz war auf einer Wiese, da wir von einer nah gelegenen örtlichen Zimmerei Werkzeug leihen durften. Dann dämmten wir den Boden, brachten die Folie an und verklebten diese Fachgerecht

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2.Woche                     23.05.16 – 29.05.16

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In der zweiten Woche stellten wir dann unser KVH Ständerwerk auf. Dann begannen wir die DeltaMaxx anzubringen, da wir unser Bauvorhaben vor drohenden Regen zu schützen versuchten. Unser Freunde und Familien halfen viel mit bei unserem Bau. Meine Oma, brachte an diesem Wochenende allen Helfern leckere Waffeln. Da die oben erwähnte Zimmerei ohne ersichtlichen Grund es sich anders überlegte, hatten wir keinen Grund mehr auf der Weide zu bleiben und zogen ganz spontan, das erste Mal unseren Anhänger mit Ständerwerk in die ca.  5 km entfernte Maschinenhalle meiner Eltern. Dies war ziemlich aufregen für alle beteiligten und klappte zum Glück ohne Zwischenfälle.

 

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3.Woche                  30.05.16 – 05.06.16

In der Halle waren wir nun auch nicht mehr Wetterabhängig, das war wirklich super hilfreich und das würde ich auch jedem Nacharmer wärmstens empfehlen. Das Werkzeug bekamen wir von nun an von Familie und Bekannten zusammengeliehen. In der 3.Woche setzten wir die restlichen Balken und Streben vom Ständerwerk, deckten den kompletten Bau mit der DeltaMaxx ab, schraubten einen Teil Konterlattung an, zogen die ersten Elektroleitungen ein und begannen damit die Wände zu dämmen.w8

 

4.Woche                     06.06.16 – 12.06.16

In Woche 4 dämmten wir alle Wände und Decken, klebten diese sorgfältig mit der diffusionsdichten Folie ab, zogen weitere Elektroleitungen ein, bauten die gelieferten Fenster ein, schnitten die Ersten Wand- bzw. Boden und Deckenplatten zu und verschraubten die Podestböden und Podestdecken sowie den Boden für unser zukünftiges Wohnzimmer.

 

5.Woche              13.06.16-19.06.16

In dieser Woche wurden die Wasserleitungen verbaut, sämtliche Boden-, Decken- und Wandplatten zugeschnitten und verschraubt und die Wände weiß gestrichen. Nun ist der Rohbau fast abgeschlossen.w9

 

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6.Woche                     20.06.16 – 26.06.16

Die 6.Woche war unsere letzte Innen Ausbauwoche. Wir haben die Trennwand zum Bad incl. Tür errichtet, den zweiten Anstrich gemacht, den Korkboden verklebt und die Dusche, Toilette und Eingangstür eingebaut.

 

Der letzte Monat- Fassade und Einrichtung             27.06.16 – 31.07.16

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Im Juli bauten wir die Aluminiumfassade und das Dach incl. sämtlicher Abdichtungsbleche an. Zudem installierten wir unsere Ikea Küche (was fast 1ne ganze Woche dauerte) und richteten alles ein. Bei der ersten Inbetriebnahme des Stroms klappte alles vorbildlich, bei der ersten Inbetriebnahme vom Wasser schwemmten wir zum ersten Mal unser kleines Heim. Wir mussten zum ausbessern der Wasseranschlüsse einen Teil der Fassade wieder zurück bauen. Das war total nervig, aber wir bekamen das in den Griff. Am 01. August war unser Bau abgeschlossen und wir zogen ein, leider noch in der Halle, da weder TÜV noch Grundstück zu diesem Zeitpunkt vollständig geklärt waren. Die maßangefertigte Treppe vom Tischler wurde auch erst Mitte September geliefert. Das war aber alles nicht so schlimm, denn wir wohnten in unserem eigenenkleinen Haus, das wir innerhalb von 2,5 Monaten nach der Arbeit und an den Wochenenden errichtet hatten.   w13

Grundstück

Nachdem wir in der Maschinenhalle wohnten fokussierten wir uns darauf ein geeignetes Grundstück in ruhiger und windgeschützter Ortsrandlange zu finden. Dies gestaltet sich sehr schwierig, da entweder diese eh schon seltene Grundstücke genutzt werden oder viele der Wiesen Besitzer nicht an *Zigeuner* verpachten möchten. Wir fanden dann doch noch zum 1. September ein tolles Grundstück in dem Ort Bosbüll.

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Umzug

Zum 1. September fuhren wir unser TinyHouse auf unser gepachtetes Grundstück. Es klappte alles ohne Zwischenfälle und war eine wirklich aufregende Angelegenheit. Bisher wissen wir nicht genau ob wird die 3,5t eingehalten haben und auch der TÜV in unserer Nähe scheint mit unserem Bauwerk überfordert zu sein.

 

Kinderkrankheiten         (September 16 – Dezember 16)

Leider kamen unerwünschte Probleme auf uns zu. Wir erwarteten zwar, dass nicht alles perfekt läuft, doch mit dem Ausmaß der Probleme hatten wir nicht gerechnet. Mit dem Herbst kam die Feuchtigkeit ins Haus, und sie blieb. Wir holten Luftentfeuchter und eine bessere Heizung. Leider half dies nicht. Dann kam der Schimmel und wir machten an den Schimmelnden Stellen links und rechts von der Tür den Boden und die Wand auf. Dort der erste Schock! Es stand Wasser auf der Folie hinter der Bodenplatte. Kondenswasser!  Unser Haus war zu dicht und dadurch zu schlecht belüftet. Wir versuchten einiges (weitere Luftentfeuchter, verschiedene Lüftungsmethoden) nix half, dann nach ca. 2 Wochen fing es an überall zu schimmeln in den Ecken und selbst an den Wandflächen. Wir beschlossen das Haus von innen zurückzubauen um die diffusionsdichte Folie gegen eine nicht so dichte Folie zu tauschen und einen feuchtigkeitsgesteuerten Lüfter einzubauen. Wir begannen unser Tiny House komplett auszuräumen und die Einrichtung wieder auszubauen und mühselig jede einzelne Schraube aufzustöbern und die Spachtelmasse auszukratzen. Dann wurde mein Mann schwer krank und kam ins Krankenhaus und kurz darauf wurde unsere Hündin Ivy notoperiert. Somit stand die Baustelle still. Ich arbeitete in der Zeit etwas weiter und fand die nächste Katastrophe. Unser Haus war um die Tür herum undicht und Wasser lief hinein und sammelte sich in der Dämmung am Boden. D.h. wir mussten nicht nur alle Wände rausnehmen und die Folie dahinter tauschen, sondern auch noch ein Loch finden, abdichten und den Boden raus sägen, stemmen und dann neu dämmen, abkleben, neue Holzplatten zuschneiden und neuen Kork verkleben. Das hat sehr viel Arbeit gemacht und ging ganz schön ins Geld. Finanziell wurde es durch die unvorhergesehenen Krankheiten von meinem Mann und meinem Hund nun auch Eng. ….

Das Leben im TinyHouse

Ich liebe unser Haus. Es ist wirklich gemütlich und kuschelig und bisher kommt es uns keinesfalls zu klein vor. Der Hausputz ist innerhalb 5-10 Minuten erledigt. Das Leben im grünen lässt unsere Herzen höher schlagen und wir brauchen auch jetzt schon trotz Kreditrate jeden Monat einige hundert Euro ein. Dies kann wirklich der richtige Weg sein um freier Leben zu können. 14141805_1424848110865548_3311273903713107711_n

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Der Weg zu Autarkie

Unser Ziel ist es mit unserem Haus komplett Autark wohnen zu können.

Strom:

Den Strom wollen wir selber über eine Solaranlage mit Speicher produzieren. Bisher haben wir die Technik und 6 Solarpanelen mit je 140Watt. Diese Wollen wir noch um 10 weitere 140Watt Solarpanelen erweitern. Wir hoffen, dass dies ausreicht um auch im Winter damit heizen zu können.

Wasser:

Eine Lösung für Wasser zu finden ist nicht so einfach, da diese Lösung ja auch mobil sein soll. Wir planen ein Pflanzenklärsystem zu entwickeln, dass das Abwasser aus unserem Haus aufnimmt, filtert und aufbereitet und dies wollen wir wieder in unser Haus pumpen. Das Ganze soll auf einem separaten Anhänger gebaut werden. Hierzu ist die Planung aber noch nicht abgeschlossen.

Grundstück: Da wir auch nicht jahrelang Pacht bezahlen möchten, werden wir wohl in den nächsten 2 Jahren ein geeignetes Grundstück kaufen.